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Konsumintervallfasten

Ein Jahr fast nichts Neues


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Mal nichts Neues zu konsumieren war mein Plan für dieses Jahr – und falls doch, dann wenigstens nachhaltig in möglichst vieler Hinsicht. Ich will nicht gleich zu Anfang zu viel verraten, aber natürlich war das in meiner Lebenssituation utopisch. So anstrengend, wie mein Alltag gerade ist, brauche ich Belohnungen, um mich durch die Woche zu hangeln. In Intervallen wurde aber gefastet, und das Entsagen mit Erleuchtung belohnt. Oder sagen wir mit einem kurzen Moment der Erkenntnis.

Mea culpa, mea maxima culpa

Kurz vor Beginn der Adventszeit habe ich mich mit einer Freundin durch Primark geschoben. Schon nach wenigen Metern setzte die altbekannte Pulsbeschleunigung ein, der Jagdinstinkt, das Habenwollen. „Kaufst du immer noch nur gebraucht?“, brachte mich von der Seite ihre Stimme in die Realität und ich verwarf direkt wieder, mir einen witzigen Weihnachtspullover zu kaufen. So läuft das, seit ich denken kann – Dinge zu kaufen, gibt mir einen Kick. Ganz lange war dieser umso größer, je günstiger ich ein gutes Teil erwischen konnte. Jetzt weiß ich zu viel über Herstellungsbedingungen, Materialqualität und globale Folgen des Massenkonsums: Ähnlich wie ich mittlerweile Essen weniger genießen kann, wenn es nicht bio ist, hinterlässt jeder unethische oder unüberlegte Kauf einen schalen Geschmack im Mund. Normalerweise ist das kein Problem, ich gehe kaum mehr in Einkaufspassagen, Shoppingzentren oder überhaupt irgendwelche Läden. Online werde ich allerdings immer noch überflutet mit begehrenswerten Dingen, und habe deshalb unlängst mit der Rechtfertigung „ist doch Fair Fashion“ drei Teile aus Australien bestellt.

„2023 Nix Neues“

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, bewusst beim Kaufimpuls anzusetzen und mich zu fragen: warum will ich jetzt konsumieren und muss es wirklich sein? Wenn es um Essen oder Urlaub geht, kann ich mich nicht kontrollieren, dafür beispielsweise bei Kleidung und anderen Dingen immer mehr. Ausnahmen gab es durchaus, zum Beispiel kleine Überraschungen fürs Kind, wie Knete. Ein Buch als Kindergeschenk für einen Kollegen, der sich vor einem gebrauchten Buch wahrscheinlich geekelt oder sich weniger gefreut hätte. Manchmal möchte ich auch Bücher unbedingt besitzen und es gibt sie nicht gebraucht. Und kurz vor Weihnachten großes Schlemmen – Geschenke, vor allem für mich selbst.

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Alles, was ich in einem Jahr neu gekauft habe, in einem Bild

Ich bin trotzdem beeindruckt vom Outcome meiner Fastenzeit: Weil ich jede Kaufüberlegung so bewusst getroffen habe, freue ich mich nun umso mehr über die Dinge. Rückblickend habe ich mit den Neukäufen meistens nachhaltige Projekte oder lokale Anbieter unterstützt, die es mir wert waren, mein Fasten zu brechen. Und natürlich war ich gewieft genug, die inoffizielle Kampagne „Nix Neues“ statt „Gar Nix“ zu nennen.

Gebraucht kaufen ist eben auch kaufen

Die Rückfallquote bei Gebrauchtkäufen war deutlich höher als bei Neuem, denn auch wenn ich keine billigen Klamotten mehr kaufe oder im Sales zuschlage, hole ich mir meine Cheap Thrills jetzt eben Second Hand. Klamotten sind meine Achillessehne, ich finde auf jedem Flohmarkt welche, die mein Herz erfreuen. Mein Lieblingsdealer für einfach alles ist die Kleinanzeigen-App. Darum habe ich dieses Jahr immer noch viel mehr konsumiert, als ich wirklich brauchte. Konsumfasten war das definitiv nicht. Im Prozess habe ich aber gelernt, dass ich doch mehr Willenskraft und Zurückhaltung aufbringen kann, wenn ich mich wirklich damit beschäftige, warum ich etwas kaufen möchte.

Wenn die Konsumsucht ruft

Zwei große Momente, um nicht „Learnings“ zu sagen:

Auch wenn dieser Selbstversuch eher semierfolgreich lief, bin ich zufrieden. Mehr als Intervallfasten ist im aktuellen Lebensabschnitt nicht umsetzbar. Gleichzeitig habe ich mein Verbraucherverhalten dieses Jahr bewusster reflektiert als jemals zuvor und werde weiter daran arbeiten, nicht kopflos zu konsumieren – auch nicht gebraucht.

Wer es ernst meint:

Wie geht Konsumfasten, was sind Vor- und Nachteile und wie können wir allgemein nachhaltiger konsumieren?

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