No more Hoffnungslosigkeit
Drei Schritte aus der Ohnmacht gemacht
Letztes Jahr wurde mir einfach alles zu viel. Privat, beruflich, gesamtpolitisch fühlte ich mich hilflos gebeutelt von Umständen, an denen ich nur sehr bedingt etwas verändern konnte. Ich hörte viel Taylor Swift, klar, aber auch das half nicht mehr. Nachdem ich ein halbes Jahr ohnmächtig vor mich hingeschmollt hatte, entschied ich, doch noch nicht kampflos aufzugeben. Ich trat in eine Gewerkschaft ein und ließ meinen Sohn wiederum schmollend zurück, um einen Abend im Monat mit den „Grünen Mädels“ zu verbringen. Vor allem entschied ich, mir nicht länger selbst das Narrativ der Ausweglosigkeit zu erzählen, sondern zu sehen, was möglich und ermächtigend ist.
Gleichgesinnte finden
Es ist so ermüdend, täglich negative Schlagzeilen zu verarbeiten und gleichzeitig mit dem Unverständnis anderer umzugehen, das mir im Alltag begegnet. Ständig politische Uneinigkeit, Krieg und Umweltzerstörung – ich musste zwischendurch aussteigen und mir Orte der Geborgenheit suchen. Kleine Bubbles von Menschen, die so denken wie ich, fand ich bei den Naturschutztagen, in einem Frauenkreis, auf Demos, bei der Fusion, oder in unserer Kita. In diesen Bubbles konnte ich kurz mal den Panikmodus abschalten und Hoffnung schöpfen, dass doch nicht alle crazy Zombies sind, die alles zur Hölle fahren lassen.
Kann Gemeinschaft high machen?
Mich schon. Es gibt auch einen wissenschaftlichen Begriff dafür: Kollektive Begeisterung. Lies mehr darüber hier:
Politisch aktiv werden
Statt meine Zeit mit Doomscrollen in der feministischen Instablase zuzubringen, die mir immer neue Ungerechtigkeiten unter die Nase rieb, entschied ich, meine über drei Jahrzehnte lange apolitische Phase zu beenden. Ich beschäftigte mich zum ersten Mal richtig mit Wahloptionen und verschonte auch meine Umgebung nicht. Informieren, diskutieren, nicht einfach hinnehmen hilft enorm gegen dieses eklige Gefühl der Machtlosigkeit. Ich suchte mir den Arbeitskreis Frauen und Genderpolitik der Grünen aus und ging zu Treffen, um politisch Gleichgesinnte kennenzulernen und auszuloten, was ich mit meinem sehr schmalen Freizeit- und Energiebudget auf lokalpolitischer Ebene erreichen könnte. Nicht sehr viel, stellte sich heraus, aber ich bin ja gerade erst warmgelaufen.
Bündnisse bilden
Gleichzeitig wurde ich Mitglied bei der IG Metall. Das konnte an meiner beruflichen Situation nichts ändern, aber zumindest unterstützte ich die Forderungen auf Arbeitnehmerseite in meinem Unternehmen und hatte nicht mehr das Gefühl, alles nur widerstandslos mitansehen zu müssen. Für Sorgearbeitende gab es eine derartige Vertretung bislang nicht, und darum bin ich so glücklich, jetzt Mitglied bei der LUA Carewerkschaft sein zu können. Ihre bloße Existenz gibt mir viel Hoffnung, dass wir Sichtbarkeit und eine Lobby für diese unbezahlte und größtenteils ungewürdigte Arbeit schaffen können.
Und jetzt?
Seit letztem Jahr hat sich viel geändert, und auch wieder nicht. Politische Entscheidungen und die kurz bevorstehende Landtagswahl erschöpfen mich weiterhin. Ich fühle mich immer noch oft hilf- und hoffnungslos. Aber auch oft gehalten, verstanden, gestärkt.