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Nachts abhalten oder weiterschlafen?

Windelfrei als Grenzerfahrung


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Es ist mitten in der Nacht und ich bin seit dem letzten Abhalten hellwach. Gekrümmt liege ich im Bett und versuche, mich nicht zu bewegen. Rechts rieche ich die nasse Wollwindel meines Sohnes, von links kommen Pipischwaden aus dem Eimer auf dem Boden. „Was ist das für ein Leben“, denke ich. Windelfrei nachts durchzuziehen, ist für mich die größte Herausforderung im Babyalltag – und ich bin daran gescheitert.

Der nächtliche Struggle

Wir halten unseren Sohn ab, seit er zwei Wochen alt ist. Das war tagsüber manchmal anstrengend und ging nachts richtig an die Substanz. Mehrere Herzen schlugen in meiner Brust: Ich wusste aus Erfahrung, dass er besser schläft, wenn er die Blase komplett entleeren kann und danach nicht in der nassen Windel liegt. Das nächtliche Abhalten aufzugeben, fühlte sich wie Vernachlässigung an. Aber ich war müde. Es war kräftezehrend, beim kleinsten Anzeichen, dass er wach wird und muss, richtig aufzuwachen und sich zu KÜMMERN, dann nicht selten wachzuliegen und irgendwann wegzudämmern, um kurz darauf wieder für die nächste Session aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden.

Das manische Wochenbett

Als litten junge Eltern nicht ohnehin unter chronischem Schlafmangel, rannten wir die ersten Wochen sobald das Würmchen krähte zusammen ins Bad, ließen ihn pieseln, verpassten ihm im Akkord eine neue Windel, klatschten uns ab und legten uns wieder ins Bett. Nach einer Weile mussten wir einsehen, dass wir so tagsüber beide zerstört waren. Wir gingen dazu über, dass nur noch ich ihn im Schlafzimmer abhielt, da ich sowieso zum Stillen wachwerden musste.

Die ganze Bandbreite der Gefühle

Während mein Freund selig schlief, ritt ich also nachts die Achterbahn der Emotionen. Jedes Mal Zweifel am ganzen Windelfrei-Vorhaben. Verzweiflung, weil ich in Ruhe schlafen und nicht ständig mit Ausscheidungen konfrontiert werden wollte. Frust, wenn mein Sohn sich beschwerte und nicht verstand, welches Opfer ich für ihn brachte. Krasse Zufriedenheit, als es eine Woche mal harmonisch war und keine Windel nachts nass wurde. Stolz, der mich davon abhielt, meine Prinzipien aufzugeben.

Der größte Pain Point

In meinem Gespräch mit Windelfrei-Coach Caroline Helbing war das nächtliche Abhalten der Punkt, bei dem ich verzweifelt auf einen magischen Tipp hoffte. Sie riet mir, meinen Schlaf zu priorisieren und mich auf keinen Fall selbst unter Druck zu setzen. Das Wichtigste bei Windelfrei sei schließlich, dass Bedürfnisse respektiert würden, auch meine. Ich hielt also meinen Sohn nochmal ab, bevor ich ins Bett ging und dann erst wieder in den Morgenstunden. Erholsam war das allerdings trotzdem nicht: wälzte er sich neben mir hin und her, war ich sicher, es lag an seiner vollen Blase. Lief es tagsüber nicht mehr, glaubte ich zu wissen: Das kommt, weil ich die Routine nachts gebrochen habe.

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Fauler Kompromiss oder Niederlage? Um besser zu schlafen, muss ich jede Nacht eine Wegwerfwindel verantworten

Die ersten Risse im Konstrukt

Als ich das erste Mal mit Baby auf einen Kurztrip ging, entschied ich, nachts nicht abzuhalten und bestellte einen Probepack Fairwindeln, um nicht auf konventionelle Wegwerfwindeln zurückgreifen zu müssen. Im nächsten Urlaub trockneten die Stoffwindeln nicht schnell genug, also mussten wir Plastikwindeln kaufen. Die Nächte waren entspannter: Kein Windelwechseln, kein Rumgewälze in der viel weniger saugfähigen Stoffwindel.

Der gebrochene Idealismus

Dann kam der Winter. Mein Sohn war mittlerweile neun Monate alt und mein Schlafdefizit hatte sich entsprechend angestaut. Wir wurden zum ersten Mal krank, mein Freund musste für eine Woche ins Krankenhaus und ich: gab auf. Seitdem werfe ich jeden Morgen eine Wegwerfwindel in den Müll, mein Herz dabei so schwer wie das vollgesaugte Ding. Liege ich nachts wach, rieche ich nun voll Ekel den süßen Mief der nassen Plastikwindel. Es fühlt sich an, als hätte ich meine Ideale verkauft. Ich fühle mich schlecht, weil ich unsere Windelfrei-Routine unterbrochen habe. Nur ein Quantum Erleichterung, dass diese Grenzerfahrung endlich beendet ist.

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