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Das muss Liebe sein

Auch dieser stinkende Teppich wird gebrauchte Ware für mich nicht ruinieren


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Mein Kind will ein Spielzimmer, also brauchen wir einen großen Teppich, um meinen Parkettboden vor Lego und Holzeisenbahn zu schützen. Ich finde ihn dort, wo ich alles finde: bei Kleinanzeigen. Einen Fleckerlteppich in fliedergrauem, laut Anzeige schwer in Worte zu fassendem Farbton. Er hat nicht die perfekten Maße, trotzdem schreibe ich der Besitzerin und fahre eine halbe Stunde mit dem Stadtflitzer in die Pampa, um ihn abzuholen. Wird er halten, was ich mir von ihm versprach?

Da hat jemand die fliedergraue Brille aufgehabt

Als ich ankomme, hängt er über dem Geländer vor dem Haus, obendrauf klebt ein halbgetrockneter frischer Kürbiskern. Ich bin auch nur semi begeistert, aber jetzt nehme ich ihn eben mit. 25 Euro in den Briefkasten und den Teppich auf den Rücksitz, er ist schwerer als gedacht. Die Nachbarn schauen argwöhnisch zu mir rüber, während ich ihn zu fassen versuche und über den Hof hieve. Dann lade ich ihn in der Wohnung meiner Mutter ab, dabei fällt mir auf, dass er unangenehm riecht, ein bisschen nach Weichspüler und ziemlich nach nassem Hund. Wohl weil ich nur nach den Bildern geurteilt und nicht auf den tierfreien Nichtraucherhaushalt geachtet habe.

Trouble in Paradise?

Wir beratschlagen und hängen ihn unters Dach, um ihm Zeit zum Auslüften zu geben. Dort hängt er einige Wochen, während ich „Teppichreinigung“ google und bei den telefonisch erfragten Auskünften „Öh ja, Trockenschaumgerät bei Ihnen vor Ort“ oder „Mit Abholen und Bringen 210 Euro für die Größe“ direkt wieder auflege. Zwischendurch liebäugle ich mit anderen Teppichen auf Kleinanzeigen, bin aber nicht sicher, ob ich so weit schon gehen möchte. Dann ist der Zeitpunkt gekommen: Ich düse mit dem Stadtflitzer zum Dachboden meiner Mutter, von dort zum Waschsalon am ganz anderen Ende der Stadt, wo es Waschmaschinen für bis zu 25 Kilo Ladung gibt. Ich investiere 29 Euro für eine 60 Grad-Wäsche und eine halbe Stunde Trockner. Nach der Wäsche bilde ich mir ein, das Flieder sähe schon viel weniger grau aus. Zum Trockner schaffen wir es nur unter Aufbringen all meiner Stärke und nicht ohne mich mit einem mittelalten Mann und seiner Mutter darüber zu streiten, wer jetzt länger auf ein freies Gerät gewartet habe. Es gibt zwei und beide Parteien brauchen jeweils nur einen, das vollgesogene schwere Teil findet also seinen Weg in den Trockner und ist nach 30 Minuten immer noch nass.

Alles ist so verfahren, das wird nichts mehr

Ich habe aber keine Zeit mehr, darum schleppe ich den Teppich auf den Rücksitz des Stadtflitzers und auf den Balkon, wo er gefriertrocknen kann. Am nächsten Morgen ziehen wir den Rollladen hoch und leider liegt da Schnee, und der Teppich ist wirklich gefroren. Hier reißt mir der Geduldfaden. Das Kind muss den Schnee vom Teppich kehren, der Teppich wird in der Wohnung aufgebahrt, der Parkettboden darunter natürlich abgedeckt gegen Tropfwasserschäden, und dabei fällt mir auch auf, dass das Ding schon wieder nach nassem Hund riecht. Ich überlege, wie schlimm es wirklich wäre, ihn zu entsorgen. Einfach neu anzufangen, mit allem, was ich gelernt habe. Vielleicht sogar mit einem ganz neuen Teppich, entgegen aller Suffizienzprinzipien und bestimmt voller Chemikalien, die noch nicht in einem anderen Haushalt ausgedünstet haben.

Doch, das muss Liebe sein

Zwei Nächte hängt der Teppich im Schlafzimmer, trocknet nur unwesentlich, riecht an verschiedenen Stellen frisch gewaschen und nach nassem Hund. Dann doch noch eine Stadtflitzerfahrt zum Waschsalon, in denselben Trockner für good luck, diesmal 80 Minuten bei 80 Grad, 9,60 Euro. Ich schreibe meiner Freundin „jetzt muss ich ihn behalten, bin schon total attached nach allem, was wir zusammen durchgemacht haben“. Trage ihn in meinen Armen zum Auto, er ist leichter, geschmeidiger, strahlt eine angenehme Wärme ab. Nur um ganz sicherzugehen, verbringt er noch eine Nacht auf dem Wäscheständer. Dann wird er an seinem vorbestimmten Ort ausgelegt. Mutter und Kind sind erleichtert: „Der riecht ja gar nicht mehr schlimm!“

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