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Breifrei, Biobrei, Schweinerei

Wir haben die Quetschiephase überstanden und auch ihr werdet es schaffen


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To quetschie or not to quetschie, das war einige Monate lang die existenzielle Frage bei jedem Einkauf. Es fiel mir viel schwerer als gedacht, entspannt zu bleiben, während mein Kind die Welt der Kulinarik abseits von Muttermilch erschloss. Aber es stimmt eben doch, was die Leute sagen: „Irgendwann lernen wir alle, zu essen.“

Heute in der Reihe ‚Ansprüche an mich selbst, die ich leider nicht erfüllen konnte‘: Babynahrung koche ich immer nur selbst und natürlich in Bioqualität. In meinem Kopf bekommt das Baby Brei. Mein Freund möchte unsere Nahrung vorkauen. Und die bedürfnisorientierte Erziehung sieht Baby Led Weaning vor, also Breifrei. W., 10 Monate, ist kein großer Fan von fester Nahrung – egal ob Brei oder Finger Food. Warum auch, wenn alles, was er braucht, ihm in flüssiger Form sehr kompakt und kuschelig zugeführt werden kann.

„Ab dem fünften Monat können Sie mit Brei loslegen“, sagte die Kinderärztin, als wir mit vier Monaten zur Untersuchung kamen. Ich kochte also Gemüse, pürierte es fein, portionierte es in kleinen Dosen – der Bub zeigte keinerlei Interesse. Irgendwann wanderten alle eingefrorenen Gemüsebreiwürfel in einen Eintopf. Klar fing das Kind an, sich für Essen zu interessieren. Wetzte die Zähne an rohen Karotten, lutschte an Fleischknochen, zutzelte Orangenschnitze aus. Bei Brei funktionierte dann plötzlich wieder der Zungenstoßreflex und jeder weitere Löffel wurde verweigert. Würde er so jemals wirklich Nährstoffe aufnehmen?

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Feste Nahrung wird immer noch links liegengelassen

„Food under one is just for fun“, erinnerte mich die vegane bedürfnisorientierte Supermom auf Youtube und kurz fand ich meinen Frieden damit, dass viele Häppchen angelutscht und dann auf den Boden gepfeffert wurden. Das gehört schließlich dazu bei Breifrei! Allerdings ploppte in meinem Hinterkopf ein Mantra aus meiner eigenen Kindheit auf: „Mit Essen spielt man nicht!“ und ein bisschen übertrieben erschien mir diese umfangreiche Materialprobe schon. Genauso wie die halbe Stunde, die ich nach jeder Mahlzeit brauchte, um alle Oberflächen in der Umgebung abzuwischen. Ein Bruchteil des Angebots schaffte es tatsächlich ins Kind. Dann gingen wir dazu über, ihm die zerkleinerte oder vorgekaute Version unserer Gerichte zu füttern und langsam lernte er auch, selbst mit Gabel und Löffel zu essen.

Wurde es dadurch leichter? Im Gegenteil. Das neu entdeckte Interesse am Essen zwang mich bald, einen weiteren vor der Geburt gefassten Vorsatz loszulassen: „Mein Baby wird keine verarbeiteten Lebensmittel, Zusätze, Zucker, Salz oder anderen ungesunden Mist zu sich nehmen.“ Bestellten wir Pizza, wollte er natürlich lieber die Kruste haben statt Gemüse. Im Café nuckelte er am Croissant, bei Oma aß er Kuchen. Und dann kaufte ich ihm sein erstes Quetschie. Nie zuvor hatte ein Nahrungsmittel seine Augen so zum Leuchten gebracht. Er sog und sog und sog, bis die Packung leer war.

Es ist eben mit der Babynahrung wie bei uns Erwachsenen: clean, aber lecker und abwechslungsreich, gleichzeitig frisch und verpackungsarm zu essen, erfordert Disziplin, Planungsvermögen und Hingabe. Und manchmal ist das Leben als Elternteil auch ohne Ideale schon hart genug. Ich probierte es mit einer Quetschiehülle zum Selbstfüllen, bis sie mir nach fünfmal nicht mehr hygienisch vorkam. Ich hatte Gläschen als Ergänzung und Notfallnahrung auf Vorrat. Ich kaufte wieder Einmalquetschies und bestach meinen Sohn damit. Ich bot Maispuff-Sticks als Snack an und leerte selbst die Packung. Ich ließ den Alltag meinen Idealismus überrollen und lernte, meine Ansprüche der Realität anzupassen. Wie alles im Leben ging diese Phase vorbei. W., 18 Monate, isst weitgehend ausgewogen und bio, nascht immer noch gerne Croissants im Café, würde bestimmt auch ein Quetschie nicht ablehnen, bekommt aber nun stattdessen eine Banane zum Abbeißen.

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