Trampend durch Kroatien

faireisen

Wer trampt, triumphiert

Abenteuer-Backpacking für lau


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Auf unserem Eurotrip haben meine Freundin und ich viele Erfahrungen mit dem Trampen gemacht. Oft war es so wie erwartet, manchmal scary, meistens bereichernd und immer kostenlos. Das Highlight: Als wir uns vornahmen, in einem Tag von Rijeka nach Split zu kommen und es tatsächlich klappte.

Circa 10 Uhr morgens, Rijeka

Wir stehen am wenigsten schönen Ort der Stadt, da, wo alle Straßen zusammenlaufen und die Wahrscheinlichkeit mitgenommen zu werden am höchsten ist. Frisch sind wir nicht besonders, dennoch guten Mutes. Statt anzuhalten hupen mehrere Spaßvögel oder winken freudig. Wir finden es lustig. Dann nimmt uns ein mittelalter, offenherziger Herr mit, der uns die Küstenstraße empfiehlt und auch gleich darauf zusteuert. Er ist Kroate, von einer Halbinsel gar nicht weit entfernt. Als er erfährt, dass wir uns treiben lassen und keinen festen Plan haben ist er eine Weile still. Dann präsentiert er uns voll Enthusiasmus seinen Plan: Er will uns seine Gegend zeigen, einige Sachen und sein Zelt packen und sich uns anschließen. Kein Problem, er hat Auto und Zelt, wir werden einen Riesenspaß haben. Wir lehnen ab und er fährt kurz darauf an den Straßenrand und lässt uns aussteigen.

Circa 10:30 Uhr, irgendwo an der Küste

Die Sonne brennt jetzt schon, also cremen wir uns vorsorglich ein und ich mache mir einen Turban. Ist ohnehin nicht so, als würde uns jemand mitnehmen. Wir unterhalten uns auch nicht, lachen nur gelegentlich über die absurde Episode vorher und halten den Daumen raus. Ein kleines Auto mit zwei jungen Männern hält an, sie sind auch Deutsche und wohnen in einer Ferienwohnung in der Nähe. Sie fahren nicht weit, wollen nur einkaufen und sind aus Spaß rangefahren. Uns egal, wir fahren trotzdem mit, um aus dieser Einöde wegzukommen. Sie erzählen uns von ihrem Partyurlaub mit Stranderholung und machen sogar einen kleinen Umweg, um uns an der strategisch günstigsten Stelle zum Weiterkommen herauszulassen.

Circa 11:20 Uhr, irgendwo weiter vorne an der Küste

Wir haben Glück: Kurz nachdem wir ausgestiegen sind hält auch schon wieder ein verhärmt aussehender Mann an. Im Vorbeigehen sehe ich im Heck des Wagens einen zusammengeklappten Rollstuhl. Der Herr ist Serbe, eher schweigsam und kommt gerade aus dem Familienurlaub mit seiner Schwester. Er fährt häufiger übers Wochenende die paar hundert Kilometer runter ans Meer. Sein Englisch ist nicht besonders gut, deswegen hat sich die Unterhaltung nach ein wenig Smalltalk erledigt. Nachdem wir längere Zeit schweigend gefahren sind, dreht er sich zu meiner Freundin auf dem Beifahrersitz und erklärt, sie müsse keine Angst haben weil er keine Beine habe, er könne alles mit Schalthebeln bedienen. Sie hatte es bis dahin nicht einmal bemerkt. Als er auf die Autobahn ins Landesinnere abbiegen will, lässt er uns aussteigen.

Circa 14:00 Uhr, etwa auf halber Strecke in einem kleinen Touristenort

Die brüllende Mittagshitze erschlägt uns fast, also besorgen wir neues Wasser, setzen uns auf einen Grünstreifen am Wasser und machen ein Mini-Picknick. Wir sind müde, verschwitzt und überwältigt von den Eindrücken der bisherigen Fahrt, aber lange können wir uns nicht ausruhen, denn hier wollen wir nicht bleiben. Also schleppen wir unsere Rucksäcke an der Straße entlang bis zu einem Parkplatz am Ortsausgang, immer mit dem Daumen raus. Leider ist gerade Flaute und die Insassen der Autos, die vorbeikommen (meist mit deutschem, schweizerischem oder österreichischem Kennzeichen) schauen geflissentlich in die andere Richtung. Unsere Moral ist am Boden, es wird immer unwahrscheinlicher, dass wir es heute noch nach Split schaffen. Wir schimpfen auf unsere spießigen Landsmänner, die uns nicht einmal ein paar Kilometer mitnehmen wollen, selbst wenn sie Platz im Auto haben. Und schieben uns gegenseitig die Schuld für diese Schnapsidee in die Schuhe. Dann fährt ein klappriges altes Auto heran; ein kroatisches Ehepaar, das die Tochter in Split besuchen will. Wir können unseren Dusel gar nicht fassen. Über die Autobahn im Landesinneren fahren wir dahin, mal unterhalten wir uns mit den beiden, die von ihrer Tochter erzählen und es super finden, dass wir trampen, aber ist das nicht auch gefährlich, zwei Mädels so alleine? Zwischendurch dösen wir abwechselnd weg, machen Rast an einer Tankstelle und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Nach einigen Stunden fühlt es sich fast wie ein Familienausflug an, vorne die kroatischen Eltern, hinten die deutschen Teenie-Töchter. Da die richtige Tochter in einem Vorort von Split wohnt, lässt uns das Paar dort an einer Tankstelle aussteigen und fragt sogar für uns nach, wo genau der Bus in die Innenstadt abfährt. Wir bedanken uns und fühlen uns mittlerweile karmamäßig ziemlich im Minus – so viele nette, selbstlose Menschen, die uns heute begegnet sind.

Circa 18:45 Uhr, Vorort von Split

Wir gehen die Hauptstraße des kleinen Orts entlang und suchen nach der Busstation. Es wird langsam dunkel, aber wir sind dem Ziel schon so nah, dass wir uns keine Sorgen mehr machen wie wir nach Split kommen, sondern es nur schnell schaffen wollen. Ich möchte mich nicht noch einmal bemühen und lieber auf den Bus warten, meine Freundin ist high von den Erfolgen des Tages und streckt schon wieder den Daumen raus. Prompt fährt ein kleines Auto schwungvoll an den Bordstein. Ein gutaussehender junger Mann mit Pilotenbrille sagt, er kann uns mit in die Innenstadt nehmen, also steigen wir ein. Das Mädel, das mit uns auf den Bus gewartet hat, schaut uns verständnislos an. 10 Meter weiter schwingt er wieder an den Straßenrand, um schnell Zigaretten zu kaufen. Er ist auf dem Weg zur Arbeit im Hafen von Split, irgendwas am Zoll, und begeistert, dass wir Deutsche sind. Die besten Autos gibt es bei uns und er will aus seinem nächsten Urlaub eins mitbringen, viel zu teuer sind die, wenn man sie in Kroatien kauft. Es ist nicht unser Thema, aber wir nicken freundlich. Kamikazemäßig nähern wir uns den Lichtern der Stadt, an der Hafenpromenade lässt er uns aussteigen. Wir sind jetzt völlig fertig, erfüllt von den heutigen Hochs und Tiefs und können immer noch nicht fassen, dass unser Plan tatsächlich aufgegangen ist.

Circa 19:20 Uhr, Split

Vor uns liegt der Hafen und die Silhouette der Stadt im letzten Abendrot, die weißen Mauern der Innenstadt schimmern einladend. Jetzt nur noch was zu essen und eine Unterkunft finden.

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