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Gut für alle

Dreimal Urlaub auf dem Biobauernhof


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Wenn man mich als Kind gefragt hätte, wo ich niemals Urlaub machen wollte, hätte ich gesagt: Auf dem Bauernhof. Als es doch einmal soweit kam stellte sich heraus, dass es gar nicht so schlecht war. Meine Schwester konnte den ganzen Tag Ponys spazieren führen und ich in der Ferienwohnung fernsehen. Zwanzig Jahre und einige Ökolutionsstufen später kann ich dem Konzept viel mehr abgewinnen: Mich interessiert die Realität hinter den Lebensmitteln und Produkten, die ich konsumiere, und mein Kind interessiert sich für Traktoren, Hühner und Kühe.

Mittlerweile haben wir drei unterschiedliche Höfe in Baden-Württemberg ausprobiert, und es war alles dabei: Ferienwohnung und Tiny Home; Bio, Bioland und Demeter. Tiere gab es auf jedem Hof, aber nicht alle waren noch traditionell bewirtschaftet. Tatsächlich schlich sich bei mir die Frage ein, ob die Bauernhöfe in ihrer bisherigen Form vielleicht am Aussterben sind – aber das ist ein anderer Text. Mit dem Kind in verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen haben wir den Schwärzenbachhof im Kinzigtal, den Ährenhof auf der schwäbischen Alb und den Mooshof im mittleren Schwarzwald getestet. Es war immer entspannter als Hotelaufenthalte oder Städtetrips.

Eine Woche in Abgeschiedenheit

Mit einem Rad, einem vollgeladenen Chariot und eineinhalb Wanderrucksäcken machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist ein denkmalgeschützter Bauernhof im tiefsten Schwärzenbachtal, zwei Stunden von zuhause entfernt. Schon die Anreise vom Bahnhof Gengenbach über Felder und Hügel, durch Wälder und Täler ist toll und ohne ein kleines Baby wäre der Urlaub bestimmt sehr erholsam geworden. So haben wir leider den Versorgungsaufwand ohne Auto unterschätzt und verbringen sehr viel Zeit mit Logistik, statt mal auszuspannen. Manchmal machen wir aus der Not aber auch eine Tugend und wandern eben irgendwohin, wo es etwas Leckeres zu essen gibt.

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Der Obere Schwärzenbachhof liegt versteckt im hintersten Ende des Schwärzenbachtals

Die großzügige Ferienwohnung bietet eine tolle Basis für unsere Tage am Schwärzenbach und der Hof ist so idyllisch, dass ich versucht bin, in vermeintlich guten alten Zeiten zu schwelgen. Offensichtlich stellt hier nämlich Landwirtschaft längst nicht mehr den Hauptverdienst dar, sondern wurde durch die Vermietung ersetzt. Es macht mich melancholisch, darüber nachzudenken, dass diese schönen Bauernhöfe nie mehr wirklich bewirtschaftet werden, sondern nur als Feriendestination dienen. Gleichzeitig bin ich selbst zum Entspannen hier und habe keine Ahnung vom harten Bauer*innendasein, sondern beschwere mich schon über weite Wege zum nächsten Supermarkt. Ich nehme mir trotzdem vor, für den nächsten Bauernhofaufenthalt einen aktiven Betrieb auszusuchen.

Ein paar Tage Heile Welt

Morgens um kurz vor sechs werde ich von Glockenklingeln wach, öffne die Augen und sehe, wie mein Sohn aus dem tiefsten Schlaf gerissen wird. Wir setzen uns auf und beobachten im Morgengrauen durch von der Kälte beschlagene Fenster den Zug der Kühe zur Sommerweide. Wir sind für ein langes Oma-Tochter-Enkel-Wochenende im Tiny Home auf dem Ährenhof eingemietet, mittendrin im Trubel und doch tiefenentspannt. Zur Trenntoilette stapfen wir vier Schritte über die Wiese ins hipste Klohäuschen, beim Essen im großen Garten beobachten wir die Hühnerweide, auf der mehrere Hähne ihre Herde hüten und immer was los ist. Selbst im Rekordsommer ist die Luft hier auf der schwäbischen Alb frisch und die Umgebung saftig grün. Der Bub rennt über die Wiese hinüber zum Sandelplatz, kullert über den endlosen Rasen oder linst ins Gewächshaus.

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Basic war noch nie so luxuriös: Ein langes Wochenende im Tiny Home auf dem Ährenhof

Der Tag besteht aus kurzen Ausflügen über den Hof und längeren ins Dorf oder die nahe Umgebung – zu Fuß, mit dem Kind in der Kraxe. Wieder zurück erwarten uns die frechen kleinen Ziegen, die durch das Gestänge der Box passen und auf dem Hof ihr Unwesen treiben. Sie knabbern alles an, springen wild durch die Gegend und müssen sich nur vor den Hofkindern behaupten. Am letzten Tag zieht ein Traktor im Schneckentempo rückwärts die Straße hoch, in der Schaufel sitzt eine der Bäuerinnen mit einem kleinen Kalb auf dem Schoß, das mittags auf der Weide geboren wurde. Das Wunder des Lebens, so nah.

Der Ährenhof ist eine Demeter-Hofgemeinschaft und verkörpert für mich die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft: Zwei junge Betriebsleiterfamilien bewirtschaften ihn im SoLaWi-Modell mit Milchviehstall, Acker- und Gemüsebau und Hühnerhaltung. Wir haben uns für unseren Aufenthalt mit Leckereien aus dem Hofladen eingedeckt und eine solidarische Kiste mit dem schönsten Demeter-Gemüse zusammenstellen lassen. Das Tiny Home wurde früher von einer der Familien bewohnt und ist luxuriös nicht wegen seiner Ausstattung, sondern weil die Stimmung hier so friedlich und aufbauend ist. Wir verbringen das Wochenende in einem angenehmen Tran und wollen uns gar nicht verabschieden aus diesem Paradies für Kinder, Nutztiere und Biokonsument*innen.

Ein langes Wochenende im Spielparadies

Wir kommen mit Verspätung und im Stadtmobil statt Bahn und Bus an – das Kind fiebert und musste noch zum Arzt. Innerhalb eines Tages erfüllt sich auf dem Mooshof meine Hoffnung, die Schwarzwaldluft möge Fieber und Husten kurieren. Dabei ruht sich der Bub nicht mal aus, so high ist er von großen und kleinen Traktoren, hungrigen Hühnern, schlappohrigen Hasen und dem epischen Sandkasten mit Blick auf die Kuhweide. Ich hingegen erliege meiner Muttergrippe mehr und mehr. Gut, dass die Omi wieder dabei ist! Die beiden scharwenzeln im 100-Meter-Radius um den Hof, verfüttern Kochabfälle, machen Feuer und grillen Würstle, werfen Steine in den Bach im Zipfelwald und vergessen die Zeit mit Holzklötzen in der gemütlichen Spielscheune. Währenddessen koche ich ungestört, kichere auf dem urgemütlichen Balkon in mein Buch hinein und entspanne zumindest ein bisschen.

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Der Mooshof ist ein Ort des Abenteuers für Kinder und der Erholung für Eltern

Den Hof verlassen wir nur zweimal: für eine Miniwandertour um den Haushügel und um das Biorestaurant im nächstgelegenen Ort Tennenbronn zu besuchen. Die Unterkunft an sich bietet genug Entertainment. Man merkt, dass hier seit über 36 Jahren kinderfreundliche Menschen leben, die wirklich Urlaub für die ganze Familie ermöglichen wollen. Der Bauernhof mit seinem modernen Komfort und dem gelebten Schwarzwald-Bauer*innentum wird ein Ort der Wiederkehr für uns werden, das steht fest. Essbare Souvenirs aus dem kleinen Hofladen sollen uns bis zum nächsten Besuch an die schönen Tage erinnern.

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